Stellungnahmen der Kammern

Bundesarbeitskammer / Landwirtschaftskammer / Wirtschaftskammer
Die Frage der Baukultur spielt aus Sicht der Bundesarbeitskammer (BAK) eine zentrale Rolle. Nicht nur bei herausragenden Solitärbauten und deren Umsetzung, sondern auch und gerade im Bereich der oft anonymen Alltagsarchitektur ist ihre Rolle eine eminent wichtige. Gilt es doch Bedürfnisse von Menschen zu berücksichtigen und diesen in Form qualitätvoller Architektur zu entsprechen.

Bedürfnisse von ArbeitnehmerInnen werden in der alltäglichen Planungspraxis und Architekturdebatte auf zwei Ebenen besonders sichtbar. Einerseits im Bereich der Daseinsgrundfunktion Wohnen und andererseits im Bereich der Funktion Arbeiten.

Die Beschäftigung mit dem Thema, welche Infrastrukturausstattung und Ausgestaltung für das Wohn- und Arbeitsumfeld bzw. welche architektonische Qualität aus Sicht der BewohnerInnen und der dort arbeitenden Menschen erforderlich ist, ist letztlich eine Auseinandersetzung mit dem umfassenden Querschnittsthema „Lebensqualität“.

Die Daseinsgrundfunktionen Wohnen, Arbeiten, Bildung, Versorgung, Erholung, Kommunikation und Verkehr werden vom Planungsansatz her oft isoliert betrachtet und bestimmten räumlichen Betrachtungsebenen zugeordnet. Der Begriff der Lebensqualität taucht dabei viel eher im Zusammenhang mit Wohnen und Erholung auf als im Zusammenhang mit der Funktion Arbeiten.


Wohnen muss leistbar sein

Wohnstandorte in funktionsgemischten Gebieten sind wegen des Infrastrukturangebotes und dessen fußläufiger Erreichbarkeit attraktiv. Große Teile der Bevölkerung sind auf eine solche Nutzungsmischung angewiesen.

Gerade soziale Gruppen, die eine urbane Nutzungsmischung nicht nur schätzen, sondern ihrer bedürfen (berufstätige Mütter, alte Menschen, Alleinerziehende), weisen einen steigenden Anteil auf. Der soziale Wandel schlägt sich auch in einer vermehrten Anzahl an neuen Haushaltstypen nieder.

Die Qualität der Wohnungsversorgung ist nicht nur nach quantitativen Aspekten zu bewerten, sondern auch danach, wie das Wohnbedürfnis der unterschiedlichen sozialen Gruppen befriedigt wird. Dabei sind Werte wie Wohnsicherheit und Leistbarkeit von existentieller Bedeutung für die Wohnungsnutzer und vor allem für die Wohnungssuchenden.

Planung hat nicht nur die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass genügend Grund und Boden für Wohnzwecke bereitgestellt wird. Sie ist aufgerufen, einen Beitrag zu leisten, damit auch den Beziehern niedriger Einkommen und Durchschnittsverdienern qualitätvoller Wohnraum zu leistbaren Bedingungen zur Verfügung steht.

Dabei spielt der geförderte Mietwohnungsbau eine entscheidende Rolle.


Anforderungen aus der Arbeitswelt berücksichtigen

Da Menschen einen Großteil des Tages am Arbeitsplatz verbringen, ist nicht nur im wohnbaubezogenen Städtebau, sondern auch bei der Entwicklung von betrieblich genutzten Gebieten und Objekten die soziale Dimension zu berücksichtigen.

Die Gestaltung der Arbeitswelt, zu der auch ihr räumliches Umfeld zählt, wird primär oft aus einem rein ökonomischen Blickwinkel betrachtet.

Die Arbeitswelt muss aber als wesentlicher Bestandteil der gesamten Lebenswelt der Beschäftigten gesehen werden. Räumlich funktionale und zeitliche Zusammenhänge müssen erkannt werden. Letztendlich geht es darum, ob die Arbeitsumgebung positiv zur Alltagsbewältigung beiträgt oder ob sie die Verbindung von Arbeitswelt und anderen Alltagsfunktionen erschwert.

Ziel der Planung muss es sein, die gesellschaftlichen Entwicklungen in der Arbeitswelt stärker als bisher zu berücksichtigen. Die Bedürfnisse der Arbeitsbevölkerung verdienen ebenso viel Aufmerksamkeit wie die der Wohnbevölkerung.

Der Erfolg von Planung hängt nicht zuletzt davon ab, ob auch deren Interessen berücksichtigt werden. Planung als Vorwegnahme der Wirklichkeit darf zentrale Aspekte nicht ausblenden.

Leben zeichnet sich durch mannigfaltige Begegnungen, Kontakte, Empfindungen und Wahrnehmungen aus. Auch wenn derartige soziale Werte kaum quantifizierbar sind, dürfen sie nicht hinter den Werten der Wirtschaftlichkeit und des reibungslosen Funktionierens zurücktreten. Architektur und insbesondere Städtebau hat eben viele Dimensionen.

Je nachdem, wie man den Raum gestaltet, ergeben sich unterschiedliche soziale Konsequenzen. Und umgekehrt: Je nachdem, welche sozialen Werte man verwirklichen will, sind die entsprechenden räumlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Soziale Bedürfnisse verändern sich und sind nach sozialen Gruppen unterschiedlich ausgeprägt. Sie können unter Umständen auch miteinander konkurrieren. Maßstab für die Qualität von Architektur und Städtebau ist daher, ob sie die menschliche Entfaltung fördern oder behindern.


Ziel von Planung und Architektur muss es sein, unterschiedlichen sozialen Bedürfnissen zu entsprechen. Architektonische Qualität sollte für alle Bevölkerungsgruppen und in allen Nutzungsbereichen Berücksichtigung finden.

Der vorliegende Baukulturreport behandelt die Thematik sehr umfassend und deckt sich in weiten Teilen mit Einschätzung und Forderungen der BAK.

Zu folgenden Punkten ergeben sich aus Sicht der BAK noch Vertiefungs- und Ergänzungsnotwendigkeiten:


ad Heft 2: Wohnbauförderung

Als Alternative zu geförderten Eigenheimen sollte auch am Land stärker der geförderte Mietwohnungsbau bzw. geförderte Reihenhausbau forciert werden.

Die verstärkte Umlenkung von Förderungsmitteln aus dem Neubau auf die Bestandssanierung – wie auf Seite 47 der Druckversion gefordert – wird verteilungspolitisch problematisch beurteilt, insbesondere im Bereich des Eigenheimes oder der Eigentumswohnungen. Es werden dadurch erneut ohnehin bereits gefördert errichtete Bestände gefördert. Der Förderungsvorteil kommt dabei nicht jüngeren Generationen zugute. Im Falle der Vermietung solcher Eigentumsbestände wird er von den privaten EigentümerInnen abgeschöpft. Diese Förderungsmittel würden aber für den geförderten, auf Dauer preisbegrenzten genossenschaftlichen Mietwohnungsbau, der auf Bestandsdauer jüngeren Generationen zur Verfügung steht, fehlen.


ad Heft 4

Obwohl betont wird, dass Nachhaltigkeit drei gleichrangige Dimensionen hat (ökologische, ökonomische und soziale Dimension), wird zwar ausführlich auf die ökologische Dimension eingegangen, die soziale Dimension wird jedoch nur sehr allgemein und kurz – ohne konkrete Auswirkung – gestreift. Der Nachhaltigkeitsanspruch dieses Papiers ist somit nicht gerechtfertigt.

Auch im Kapitel ökologische Nachhaltigkeit wurde ein wesentlicher Aspekt völlig außer Acht gelassen. Entscheidend für die ökologische Verträglichkeit eines Bauwerkes sind auch Art und Standort. So kann ein Niedrigenergie-Einfamilienhaus
ökologisch deutlich negativere Auswirkungen aufweisen als ein unsanierter 1970er Jahre Gemeindebau (z.B. durch unterschiedliche Verkehrsanbindung und damit Energieverbrauch durch Verkehr oder generelle energetische Nachteile des Einfamilienhauses im Vergleich zu mehrgeschoßigem Wohnbau, größerer Wohnfläche etc.). Fragen, die in diesem Zusammenhang wichtig sind, z.B. Veränderung der Siedlungsstruktur, Veränderung der Raumordnung, Föderalismusrefprm etc., werden nicht gestellt bzw. nur peripher gestreift.

ad Heft 5: Baunormen

Die BAK hat sich in einer Stellungnahme generell für eine „Harmonisierung der bautechnischen Vorschriften“ ausgesprochen (zum Entwurf der OIB-Richtlinien 2005). Demnach ist dem Satz auf Seite 75 oben der Druckversion zuzustimmen: „Die Harmonisierung der unter Länderkompetenz fallenden bautechnischen Vorschriften durch die Bundesländer selbst ist ein Zeichen hoher politischer Kultur ... Es ist sinnvoll, die bautechnischen Vorschriften zu vereinheitlichen, ... aber ... sie nicht aus dem Gesamtkomplex des Baurechtes im weiteren Sinne zu reißen, das in anderen Bereichen wie etwa der Raumplanung und dem Ortsbild- und Landschaftsschutz, sinnvollerweise auf regionaler Ebene unterschiedlich gestaltet werden soll.“

ad Heft 6: Vergabepraktiken

Erst mit Anfang Feber 2006 ist das neue BVergG in Kraft getreten. Inwiefern die „Vergabe von Planungsleistungen ... vor einer richtungsentscheidenden Reform“ steht, lässt sich nicht erkennen. Eine weitere Novellierung des BVergG steht – soweit abschätzbar – nicht unmittelbar bevor. Innerhalb einer solchen eventuellen Novellierung kommt aus BAK-Sicht der Vergabe von Planungsleistungen jedenfalls nur untergeordnete Bedeutung zu. Die im BVergG enthaltenen Verfahrensarten (inkl. neuer, wie insbesondere „wettbewerblicher Dialog“) sollten ausreichenden Spielraum auch für Planungsleistungen bieten. Ob daher tatsächlich neue Verfahrensarten erforderlich sind, müsste eingehend geprüft werden.

Die verlangte „bundesweite Wettbewerbs- und Vergabestatistik“ ist unter dem Aspekt bereits bestehender Meldeverpflichtungen (Statistiken) zu betrachten. Bürokratische Zusatzlasten sollten mit Skepsis angesehen werden. Jedenfalls steht für die BAK eine lückenlose Meldung von rechtskräftigen Urteilen, Bescheiden hinsichtlich arbeits-, sozial- und lohnrechtlicher Verstöße von Bietern/
Unternehmern eindeutig im Vordergrund. Damit sollte künftig gänzlich ausgeschlossen werden, dass beruflich nicht-zuverlässige Bieter bei der öffentlichen Auftragsvergabe zum Zug kommen können. Die geforderte „Erstellung eines bundesweiten Katasters für planungsbezogene Verfahren“ ist daher hintanzureihen.

Im Sinne fairen Wettbewerbs positiv zu bewerten ist die verlangte „Publizität für Direktvergaben und Verhandlungsverfahren mit nur einem Bieter“.

Abzulehnen ist der geforderte „Ausschluss des Preiswettbewerbs für geistige Leistungen“, auch wenn bei Planungsleistungen qualitative Erwägungen und damit das Bestbieterprinzip im Vordergrund stehen sollten. Die BAK hat sich in diversen Stellungnahmen für den Vorrang des Bestbieterprinzips gegenüber dem Billigstbieterprinzip ausgesprochen.

Die Forderung, dass öffentliche Auftraggeber „die Planungsleistungen getrennt von den Ausführungsleistungen“ vergeben sollten und „Verfahren bestmöglich vorzubereiten“ haben, wird aus Sicht der BAK geteilt. Ob eine diesbezügliche „Trennungsvorgabe im Vergaberecht“ erforderlich ist, müsste eingehend geprüft werden.

Die seitens der IG Architektur geforderte „lückenlose Anwendung der Honorarleitlinien durch öffentliche AuftraggeberInnen“ ist abzulehnen. Die BAK hat seit vielen Jahren ihre Gegenposition gegenüber Mindestpreisen, Preiskartellierungen, verbindlichen Honorarrichtlinien etc. zum Ausdruck gebracht.

Herbert Tumpel                     Werner Muhm
Präsident                              Direktor





Die Landwirtschaftskammer Österreich dankt für die Möglichkeit, im Rahmen des Baukulturreportes 2006 Vorschläge für eine zukunftsträchtige Baukultur in Österreich beizusteuern.

Baukultur und Architekturpolitik haben nicht nur Einfluss auf zahlreiche andere Politikbereiche wie z.B. die Energiepolitik, sondern sind wesentlich für die weitere Entwicklung einer Gesellschaft.


ArchitektInnen beeinflussen durch ihre schöpferische Planung nicht nur die Verwendung der diversen Baustoffe, sondern legen häufig auch den Grundstein für die Entscheidung des künftigen Heizsystems und den Brennstoff. Auch hier weisen Lösungen, die auf der Nutzung erneuerbarer Energieträger basieren, zahlreiche Vorteile auf. Das Verbleiben der Wertschöpfung vor allem in den ländlichen Regionen und die Schonung der Umwelt sind die wichtigsten. Auch in der Wahl des Heizsystems zeigt sich eine zukunftsträchtige Baukultur.

Für die nächsten Jahre wird ein weiter stark steigender Energiebedarf vorausgesagt. Um den Bedarf an Strom und Wärme decken zu können, müssen zudem rasch energiesparende Maßnahmen ergriffen werden. Der Bau von Niedrigenergie- bzw. Passivhäusern und die Forcierung der Altbausanierung (Wärmedämmung) zählen zu den wichtigsten Beiträgen, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn die dafür notwendigen Maßnahmen vorzugsweise mit dem nachwachsenden Baustoff Holz ausgeführt werden, wirkt sich das sogar dreifach positiv aus:

  • Der Baustoff Holz wird nahezu CO2-neutral hergestellt. Am Ende des Lebenszyklus eines Bauwerkes kann Holz CO2-neutral zur Energiegewinnung eingesetzt werden; Deponiekosten und Belastung der Umwelt entfallen. Holz kennt keinen Abfall.
  • Durch die Substitution von Materialien, die nur mit hohem Energieeinsatz hergestellt werden können, wird CO2 vermieden. Teure, die nationale Bilanz belastende CO2-Zertifikate könnten damit eingespart werden.
  • Im Baustoff Holz wird CO2 langfristig gebunden.

In einer zukunftsorientierten Architektur muss daher Holz wesentlich stärker berücksichtigt werden, in der Wohnbauförderung muss Holz wesentlich besser bewertet werden als bisher. Holz bietet sich auch in Kombination mit Glas, Stahl und Beton als ästhetischer Baustoff an. Dazu gibt es gerade im landwirtschaftlichen Bereich Vorzeigebeispiele, nicht nur zahlreiche innovative Winzer beweisen dies mit ihren neu gestalteten Weinkellern und Kosträumen. Holz ist für nahezu alle architektonischen Lösungen einfach genial.

Rudolf Schwarzböck                    August Astl
Präsident                                    Generalsekretär




Baukultur – Architektur – Wirtschaft. Es handelt sich dabei um drei Bereiche, die untrennbar miteinander verbunden sind und in gegenseitiger Wechselwirkung stehen.

Mit einem Anteil von 7% am Bruttoinlandsprodukt ist die Bauwirtschaft eine maßgebliche Schlüsselbranche. Sie gilt als Indikator für den ökonomischen Zustand eines Landes. Wenn die Baukonjunktur boomt, profitieren zahlreiche andere vor- und nachgelagerte Branchen. Mehr als 8% der Beschäftigten sind direkt in der Bauwirtschaft tätig.
Im Zuge des allgemeinen Konjunkturanstiegs zeigte zuletzt auch die Baukonjunktur wieder deutlich positive Ergebnisse. Insgesamt war für 2006 ein Plus von real rd. 3,5% zu verzeichnen. Auch für 2007 wird von Euroconstruct ein Wachstum von 3% prognostiziert, mit langsamer Abschwächung bis 2009.

Die Qualität als Wirtschaftsstandort hängt maßgeblich von der Architektur und Bauinfrastruktur eines Landes ab.
Zu allen Zeiten hat sich eine florierende Wirtschaft auch in einer regen Bautätigkeit niedergeschlagen.

Nicht zuletzt auch für die Attraktivität als Tourismusziel ist die historische und zeitgenössische Architektur unseres Landes ein wichtiger Faktor.
Für Unternehmen sind Gebäude wichtige Imageträger. Gut geplante und ausgeführte Betriebsgebäude sind für reibungslose Betriebsabläufe wichtig und können wesentlich zur Kosteneinsparung beitragen. Dabei ist es ganz besonders wichtig, Fehler in der Planungsphase, wo der Kostenfaktor noch beeinflussbar ist, zu vermeiden. Laut Österreichischem Bauschadensbericht sind 28% aller Bauschäden auf Planungsfehler zurückzuführen.
Die Bauwirtschaft produziert nicht am Fließband. Fast jedes Bauwerk ist ein Prototyp. Mehr als in anderen Wirtschaftszweigen ist das Gelingen des Endprodukts vom funktionierenden Zusammenspiel zwischen Auftraggeber, Planer und Bauausführenden abhängig.
Besonderes Augenmerk ist dabei nicht nur auf ein professionelles Projektmanagement während der Planungs- und Ausführungsphase zu legen, sondern auch auf das Facility Management in der Betriebsphase. Diesem Umstand muss mehr denn je auch bei der Ausbildung Rechnung getragen werden.


2005 wurde auf Initiative der Geschäftsstelle Bau der WKÖ vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) eine Potentialanalyse über den Forschungsbedarf in der Bauwirtschaft durchgeführt. Aus dieser geht hervor, dass die F&E-Quote in der Bauwirtschaft nur 0,2% des BIP beträgt, während die F&E-Quote der gesamten Wirtschaft 2,3% des BIP ausmacht. Die Lissabon-Strategie sieht sogar eine Quote von 3% vor. In Kooperation mit der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) wurde daher eine Brancheninitiative mit attraktiven Fördermodellen gestartet, die die Bauforschung forcieren soll.

Das Thema Nachhaltigkeit ist vor allem in der Bauwirtschaft von eminenter Bedeutung. Dazu gehört der schonende Umgang mit den begrenzten Rohstoff- und Energieressourcen. Dem trägt auch die EU-Gebäuderichtlinie durch die Bewertung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden mittels Energieausweis Rechnung. Eine rasche bundeseinheitliche Umsetzung ist daher ein vorrangiges Anliegen. Die Minimierung der Betriebskosten durch intelligente Gebäude- und Haustechnik ist nicht nur im Sinne des Nutzers, sondern auch ein übergeordnetes energiepolitisches Ziel. Nur so ist es möglich, die Treibhausgas-Emissionen im Sinne des Kyoto-Protokolles zu senken und Energieimporte zu verringern. Zur Reduzierung der Auslandsabhängigkeit ist auch der umweltverträgliche Ausbau erneuerbarer inländischer Energieträger zu forcieren.

Baukultur heißt nicht nur, anspruchsvolle Architektur und hochwertige Handwerkskunst hervorzubringen. Es bedeutet ebenso, bei der Abwicklung des Baugeschehens verantwortungsvoll und seriös vorzugehen. Die Wirtschaftskammer setzt sich daher für Maßnahmen zur Hintanhaltung von illegaler Erwerbstätigkeit und unseriösen Geschäftspraktiken ein, sei es durch verstärkte Kontrollen oder legistische Maßnahmen, um die Schattenwirtschaft von vornherein unattraktiv zu machen. Seriöse Unternehmen, Arbeitnehmer und Konsumenten müssen geschützt werden. Wettbewerbsverzerrungen durch Hinterziehen von Steuern und Abgaben muss entgegengetreten werden.
Zur Vermeidung bzw. raschen Schlichtung von Baustreitigkeiten ist es wichtig, Bauprozesse – soweit irgendwie möglich – zu vermeiden. Besonders in der Ausführungsphase kosten Auseinandersetzungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer Geld sowie Kraft und verzögern den Baufortschritt. Ausschreibungen, Planunterlagen und Vertragstexte sollten daher so klar sein, dass Missverständnisse von vornherein ausgeschlossen sind. Eine wichtige Hilfestellung dafür bieten ÖNORMen und standardisierte Leistungsbeschreibungen. Sollte es dennoch zu Meinungsverschiedenheiten kommen, so sollte der Weg zum Gericht die ultima ratio bilden. Meist ist es für beide Parteien vorteilhafter, die Möglichkeiten der außergerichtlichen Streitbeilegung in Anspruch zu nehmen. Im Bereich der Mediation und Schiedsgerichtsbarkeit stehen nicht zuletzt bei der Wirtschaftskammer Österreich und beim Österreichischen Normungsinstitut sehr gute institutionalisierte Möglichkeiten zur Verfügung.

Die Bauwirtschaft ist sich auch der Verantwortung für ihre Arbeitnehmer bewusst. Gerade am Bau sind soziale Mindeststandards und die Einhaltung des Arbeitnehmerschutzes unabdingbar.
Das Ausbildungssystem auf den Lehrbauhöfen und BAUAkademien sowie die Lehrlingsförderung sind vorbildlich.
Die Baumeisterprüfung gehört aufgrund der besonderen Verantwortung, die mit der Ausübung dieses Berufs verbunden ist, zu einer der selektivsten und schwierigsten Berufsantrittsvoraussetzungen überhaupt.

Im Bereich des öffentlichen Vergaberechts ist es notwendig, einen Ausgleich zwischen der Position der öffentlichen Auftraggeber und der Bauunternehmen zu finden. Die Wirtschaftskammer tritt in diesem Zusammenhang für die Forcierung des Bestbieterprinzips ein.

Bürokratieabbau und Verhinderung der Verschleppung von Genehmigungsverfahren ist ein wichtiges politisches Muss.
Die Fortschritte bei der Vereinheitlichung der bautechnischen Vorschriften geben zwar Anlass zur Hoffnung. Dennoch sorgt die Kompetenzzersplitterung bei den Materien „Bauwesen“,„Baustoffzulassung“ und „Raumordnung“ immer wieder für Reibungsverluste und Verzögerung notwendiger Reformen.


Zur Förderung aller kreativ Tätigen in Österreich wurde 2003 auch die ARGE creativ wirtschaft austria gegründet.
Die Außenhandelsorganisation (AWO) unterstützt im Rahmen der ARGE Planungs- und Beratungsexport Unternehmen, die im Planungsbereich tätig sind, beim Arbeiten über die Grenze und der Ausweitung des Exportvolumens.

Nicht zuletzt sollten auch im Inland standespolitisch die Möglichkeiten der Kooperation zwischen gewerblichen und freiberuflichen Planern, beispielsweise durch gemeinsame Gesellschaftsbildung, erweitert werden.

Die Wirtschaftskammer Österreich begrüßt, dass es erstmals gelungen ist, in diesem umfassenden Bericht das Thema Baukultur in all seinen Facetten zu beleuchten und die Forderungen an die Politik zu artikulieren.

Wir wünschen der Initiative viel Erfolg!

Dr. Christoph Leitl                         Dr. Reinhold Mitterlehner
Präsident                                      Generalsekretär