Elemente einer gesamtheitlichen Baukultur

Qualitätvolle Landschaftsarchitektur

Lilli Lička

„Der Außenraum der Siedlung ist der Innenraum der Stadt.“ Dies gilt für Großstädte gleichermaßen wie für kleinere Städte, Ortschaften, Siedlungen. Der Freiraum, der den öffentlichen Raum, den Großteil des Erschließungsraumes, die Verkehrswege und den Naturraum enthält, ist ein Stiefkind der österreichischen Planungskultur.

Die Gestaltung der Freiräume bedarf einer Aufwertung in mehrfachem Sinne. Landschaft ist Trägerin von Freiraum und Bebauung. In jeder Maßstabsebene ist daher die Beziehung zum Landschaftsraum und die naturräumliche Einordnung für die Gesamtqualität, die Erkennbarkeit und die ökologische Funktionsfähigkeit von Bedeutung.
Landschaftliche Festlegungen sind essenzielle Grundlagen für Stadtplanung und Städtebau. In der Festlegung der Bebaubarkeit ist Freiraumversorgung und Freiraumqualität sicherzustellen. Fehler in dieser Planungsphase sind gestalterisch nicht korrigierbar.

Freiräume sind Wirkungsräume. Sie bringen Gebäude zur Geltung, sie wirken sich aber vor allem auf das Erlebnis und die Benutzbarkeit des Siedlungsraumes aus. Gestalterisch ist ein Zusammenspiel von Architektur und Landschaftsarchitektur die einzige Möglichkeit, wirkungsvolle Ensembles zu erzeugen. Landschaftsarchitektur ist ein Feld kultureller Produktion, wie es die Bauproduktion darstellt. Ihre Produkte spiegeln den Umgang der Gesellschaft mit ihren
Mitgliedern und mit der „Natur“ wider. Landschaftsgärten etwa reproduzieren eine romantische Interpretation von zu betrachtenden Naturlandschaften, die von der Landschaftsmalerei geprägt war. Öffentliche Grünanlagen der klassischen Moderne sind funktional geprägt und eröffnen die Freiheit des Individuums, sich die Wiese, den Park anzueignen. Österreich bedarf der Pflege und Erhaltung historischer Anlagen, es benötigt aber auch Dokumente aktueller Landschaftsarchitektur. Pop-Kultur, Experiment, ökologische und soziale Nachhaltigkeit sowie Prozesshaftigkeit sind Begriffe der aktuellen Diskussion. Es geht in der Landschaftsarchitektur um wesentlich mehr als um die Produktion von – grünen oder grauen – Bildern.



Parks, Plätze, Gärten, Außenanlagen dienen über die Jahrzehnte ihrer Existenz hinweg unterschiedlichen Verwendungszwecken. Landschaftsarchitektur arbeitet mehr als jede andere gestalterische Disziplin mit der Zeit, da sie das Pflanzenwachstum mit einbezieht. Dies wird vor allem bei Bäumen als wichtige Strukturträger offensichtlich.

Im Gegensatz zum dauerhaften Wert guter Freiraumgestaltung, der unter Berücksichtigung ökologischer Wechselwirkung und einer flexiblen Benutzbarkeit den Kriterien der Nachhaltigkeit im eigentlichen Sinne entspricht, ist das landschaftsarchitektonische Schaffen vollkommen unterbewertet.


Je konkreter, je baubarer die Maßstabsebene wird, desto weniger Zuwendung erfährt der Freiraum im Verhältnis zu Bauwerk und Infrastruktur.
Bei Bauprojekten muss rechtzeitig eine umfassende Planung des Außenraumes gewährleistet werden, indem sie dezidiert beauftragt wird, um im Sinne der Gesamtqualität die Kooperation der planenden Disziplinen zu ermöglichen. Derzeit wird häufig gegen Ende der Planungsphase des Bauwerks ein Bepflanzungskonzept für den Freiraum nachgefragt. Während dessen Bearbeitung stellt sich jedoch heraus, dass ein Entwurf für den Freiraum fehlt. Dieser ist selten budgetiert. Ebenso dringlich ist die Budgetierung der Herstellungskosten, die eine Qualität zulässt, die über die Bewältigung der Erschließung und eine Rasenansaat hinausgeht. Budgets für Bauwerke werden während der Bauphase zumeist auf Kosten der Freiraumbudgets ausgeweitet. Die Sicherung eines eigenständigen Freiraumbudgets ist erforderlich.

Freiraumqualitäten sind wichtige Verkaufsargumente. Auch von Kommissionen werden sie bei Planprüfungen und Genehmigungen vereinzelt eingefordert. Ein Instrument zur Überprüfung der Umsetzung dieser Qualitäten in die Realität muss von EntscheidungsträgerInnen eingesetzt werden.