Rahmenbedingungen für die Produktion von Baukultur

Realitycheck: Defizite und Umsetzungserfordernisse

Dustin Tusnovics
Die Diskussion über das Bild der ArchitektInnen ist heute sehr polarisierend. Wenn die Selbstsicht die einer professionellen Figur in der Planung, Konzeption und Umsetzung unseres gebauten Umfeldes ist, so ist die Fremdsicht alles andere als rosig. Zu diesem Schluss komme ich aufgrund diverser Gespräche mit verschiedenen VertreterInnen der österreichischen Immobilienindustrie zum Anlass der ExpoReal in München. Es kommen dabei ernsthaft Zweifel auf, ob diese unsere Berufssparte (ArchitektInnen) nicht irgendetwas falsch macht. Es wird zum allgemeinen Tenor fast aller Gespräche, dass ArchitektInnen eigentlich überhaupt keine Ahnung haben. Nur die Bauträger und die Geldgeber wissen, wie etwas gebaut werden soll, „ArchitektInnen hätten da keine Ahnung und versuchen immer nur, sich ein Denkmal zu setzen“,„es geht hier nicht um Jung oder Alt, ArchitektInnen, ganz allgemein, haben kein Verständnis für wirtschaftliches Denken“.
Damit schließt sich die Frage nach der „Qualität“ an. Wenn es für die ArchitektInnen doch um soziale, urbane und formale Qualitäten geht, um „gute Architektur“, so steht demgegenüber die Sichtweise vieler BauherrInnen und Investoren. Hier steht an erster Stelle die Wirtschaftlichkeit, bezogen auf die Baukosten, und es scheint eine Art„billig ist gut“ vorzuherrschen, Renditen der Investoren müssen stimmen und selten wird die Qualität an Fragen der Nachhaltigkeit festgemacht.

Es ist eindeutig, dass das Berufsbild der ArchitektInnen nicht die Wertschätzung erfährt, die der Professionalität des Berufsstandes entspricht, was sich bei Diskussionen zum Thema „Vergütung“ gut darstellen lässt, denn die Einstellung
der Immobilienindustrie lautet: „Nachlass ist sowieso klar“, aber auch, „bis zu minus 50%, sonst hat das ja keinen Sinn, wir geben dem Architekten ja bereits ein fertiges Konzept, das unsere interne Planungsabteilung einreichfähig ausgearbeitet hat.“
Die Frage, ob wir ArchitektInnen vielleicht nicht richtig formulieren und in der Folge kommunizieren, was wir eigentlich bei einer Bauaufgabe leisten können, wird so beantwortet: „Ja, wir sagen dem Architekten, wie er was zu planen hat und dann darf er noch etwas Beschönigendes zu dem Entwurf beitragen, wir müssen schließlich auch für die Corporate Identity sorgen.“ Die Chance für die Zukunft liegt eindeutig darin, das „Berufsbild“ neu zu definieren und BauherrInnen auf den Mehrwert durch Architektur aufmerksam zu machen. Dazu müssen ArchitektInnen, Hochschulen und die architekturvermittelnden Institutionen ihren Teil beitragen.


Wenn heute viele AuftraggeberInnnen die ArchitektInnen nicht verstehen und diese scheinbar nur ausnutzen, liegt es wohl auch an uns ArchitektInnen, haben wir vielleicht wirklich etwas falsch gemacht, ist das Zeitalter der StararchitektInnen vorbei, ist es an der Zeit, unser Berufsbild auf die heutigen Anforderungen abzustimmen und neue Ansätze zu suchen, hier doch eine Kommunikationsebene zu finden, um wieder aktiv und kreativ in die Gestaltung unseres gebauten Umfelds einzugreifen und nicht reaktiv und frustriert von der heutigen Realität der österreichischen Baukultur zu reden und zu hoffen, dass die Bauträger einen neuen Zugang finden.