Rahmenbedingungen für die Produktion von Baukultur

Vergabepraktiken im Leistungswettbewerb –
Zu Prinzipien der Vergabe von Planungsleistungen in Österreich

Vergabekultur und Wettbewerbswesen bilden bestimmende Rahmenbedingungen für die Arbeit von ArchitektInnen. Entscheidungen, die diese Rahmenbedingungen setzen, werden zu oft zu schnell ohne die Einbeziehung der Mehrheit der betroffenen PlanerInnen vorgenommen. Wir begrüßen die entsprechenden Bemühungen, besonders der Berufsvertretung der ArchitektInnen, in der Vergangenheit. Allein, der Weg zu einer Vergabekultur, die der überwiegenden Mehrheit der ArchitektInnen den Zugang zum Markt schafft, ist noch weit. Ziele brauchen Instrumente, die greifen.

Bauträgerwettbewerb
Der Bauträgerwettbewerb ist zu einem Hemmschuh in der Entwicklung sozial kompetenter, zukunftsorientierter Lösungen im Wohnbau geworden. Es ist nicht zu verstehen, warum bei der Verteilung von Mitteln der öffentlichen Wohnbauförderung Bauträger bereits in der Kreativphase die nahezu alleinige Verfügungsgewalt auf den Markt ausüben dürfen und ArchitektInnen nur die verlängerte Werkbank profitorientierter AbwicklerInnen sind. Das Prinzip der Trennung von Planung und Ausführung sollte gewahrt werden – es liefert bessere Ergebnisse.


Maßnahmen: Entflechtung der Planungsprozesse und offene, qualitätsorientierte Verfahren anstelle von Bauträgerwettbewerben – überall, und besonders für den sozialen Wohnbau!

Produktionsstruktur von Architektur
Die Produktion von Architektur in Österreich erfolgt zu ca. 95% von Unternehmen, die weniger als 10 Beschäftigte haben. Dieser Kernbereich der Creative Industries ist wirtschaftspolitisch zu stärken. Die Bedingungen vieler öffentlicher Ausschreibungen nehmen darauf leider keine Rücksicht und schließen das kreative Potenzial der KMUs aus. Immer wieder werden „kartell-ähnliche“ Ausschreibungen veröffentlicht, die einseitig nur eine am aktuellen Umsatz gemessene Planungsklientel zulassen und bedienen. Gerade in Bereichen, in denen Innovationsfreudigkeit und ein breiter Lösungsansatz besonders wichtig sind (Kultur, Bildung etc.) ist dies völlig unverständlich. Es ist nicht zutreffend, dass innovative Kraft über eine willkürlich und einseitig festgelegte Umsatzschwelle auslotbar ist. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall.


Maßnahmen: Abstimmung der vergabepolitischen Praxis auf die Produktionsstruktur von Architektur und daher verstärkte Einbeziehung kleinerer Büros und Umsetzung bereits beschlossener Regelungen (z.B. Stadt Wien – Wettbewerbsleitfaden)

Honorargestaltung
Die öffentliche Hand hat die Aufgabe – gegen die Tendenz der Zeit, Produkte und Dienstleistungen allein über den Preis zu definieren –, für ein nachhaltiges Qualitätsbewusstsein zu sorgen. Das verbreitete Unterlaufen der Honorarleitlinien stellt jedoch eine Bedrohung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vieler, vor allem kleinerer Architekturbüros dar. Der Hinweis auf mangelnde Kompatibilität mit EU-Richtlinien und die Preisangemessenheit laut Bundesvergabegesetz sind vorgeschobene Argumente, die mangelnden politischen Willen erkennen lassen.

Maßnahmen: lückenlose Anwendung der Honorarleitlinien durch öffentliche AuftraggeberInnen.