Bildung und Ausbildung

Die Bauwirtschaft befindet sich konjunkturell, vor allem aber auch strukturell bedingt in einer dramatischen Umbruchsituation. In der Tat hat sich in den letzten Jahren das Berufsfeld des Architekten so tief und rasch gewandelt, dass bestehende Ausbildungsszenarien nur mehr bedingt mit der Realität korrelieren.

Auf dem Weg zu mehr Baukultur sind Strategien zur Modifikation der Ausbildungssituation ein unerlässlicher, zentraler Teilaspekt. Meines Erachtens besteht in folgenden Punkten Handlungsbedarf:
  1. Es gilt, die personellen Verhältnisse zwischen Lehrenden und Studierenden auszubalancieren – die Anzahl Letzterer ist eindeutig zu hoch (mit Ausnahme der beiden Kunstakademien in Wien).
  2. Die Eigenständigkeit der Architekturausbildung wird, was die Durchführung von Evaluationen sowie die innere Organisationsform anbelangt, im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen zu wenig respektiert.
  3. Der Bund nimmt als wichtigster Auftraggeber in seinen Bauten keinerlei – wie auch immer geartete – Vorbildfunktion in der Umsetzung von Baukultur ein. Allein die Perspektive, dass die öffentliche Hand Architekturqualität wahrnimmt und fördert, stellt eine wichtige Motivation für Teile der Architekturausbildung dar.
  4. Es findet keine ausreichende Diskussion über Ausbildungsziele statt, Hochschulen halten sich indessen an allgemeine und schwammig formulierte Zielsetzungen. Insofern gilt es für diese, eine Bestandsaufnahme in materieller und ideell-intellektueller Hinsicht vorzunehmen und in Abhängigkeit der Zielorientierung unterschiedliche Leitbilder und Ausbildungsziele zu generieren. Die Berufsbilder werden damit einer lokalen und kulturellen Differenzierung unterliegen.
  5. Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass es nach dem Architekturstudium an Weiterbildungsmöglichkeiten mangelt. In der Bereitstellung eines entsprechenden Angebots aber liegt eine wichtige Aufgabe von Bildungsinstitutionen.