Verankerung des Prinzips Baukultur und BauherrInnenverantwortung

BauherrInnenverantwortung und AuftraggeberInnenqualitäten

Bauen im „öffentlichen Raum“ ist Verantwortung Die Aktivitäten der BIG sind derzeit von einem Investitionsanstieg von ca. 25% (von derzeit EUR 180 Mio./Jahr) für Neubau und Sanierung gekennzeichnet. Alleine für die dringend notwendigen Sanierungen/Neuentwicklungen der Universitäten werden in den kommenden Jahren ca. EUR 600 Mio. (ca. EUR 60 – 80 Mio./Jahr) investiert werden. Bei den Bestandsobjekten fließen darüber hinaus jährlich etwa EUR 120 Mio. in Instandhaltungsund Erneuerungsarbeiten, um neue Sicherheitsstandards und Barrierefreiheit gewährleisten zu können.
Aus Sicht der BauherrInnen besteht die größte Herausforderung darin, die Baukosten (durch laufende Zusatz- und Sonderwünsche der NutzerInnen) nicht nach oben ausreiten zu lassen. Daher wird von der BIG ein besonderes Augenmerk auf die Planungsphase gelegt, da nur in der Anfangsphase der Projektentwicklung die Rahmen- und damit die Kostenfaktoren nachhaltig definiert werden können. Läuft das Projekt einmal, ist eine nachträgliche Korrektur kaum mehr möglich. Die Qualität eines Gebäudes,das baukulturelle Niveau sowie die Folgekosten (Betriebs- und Erhaltungskosten) werden maßgeblich durch die Vorplanungsphase (technisch-kaufmännische Planung) und die Vorbereitung des Wettbewerbs bestimmt. Neben den funktionellen und gestalterischen Zielen gewinnen zunehmend die Bereiche Haustechnik und energetische Optimierung an Bedeutung.

Ab EUR 5 Mio. schreibt das BIG-Gesetz die Auslobung eines Wettbewerbes vor. Derzeit kommen pro Jahr ca. 24 Wettbewerbe, zumeist EU-weit, zur Ausschreibung. In Zusammenarbeit mit der Kammer der Architekten und Ingeneurkonsulenten hat sich die BIG um eine österreichweite, einheitlicheWettbewerbsordnung bemüht, auf deren Grundlage ausgelobt wird. Die Basis für den Erfolg eines Wettbewerbs ist eine umfassend und professionell vorbereitete Ausschreibung sowie eine gute Jury mit einem ausgeglichen Anteil an FachpreisrichterInnen. Unter diesen Voraussetzungen bringen Wettbewerbe den BauherrInnen immer das beste Ergebnis. Mit der Verfahrensorganisation beauftragt die BIG externe ExpertInnen. Zusätzlich werden die Wettbewerbe von ausgesuchten MitarbeiterInnen der Planungsabteilung mit BauherrInnenkompetenz betreut.Wesentlich dabei ist die Kontinuität während des gesamten Planungs- und Bauprozesses, weshalb neuerdings ProjektleiterInnen jeweils von der Vorphase bis zur Übergabe für ein Projekt durchgehend verantwortlich sind.

Da die BIG als „Anwalt der NutzerInnen“ agiert, sind die Betriebskosten auf lange Sicht hin zu optimieren. Viele Bundesstellen wünschen sich gedeckelte Betriebskosten. Nach der Stadt Berlin ist die BIG der zweitgrößte Contractor Europas. Durch relativ einfache und wenig kostenaufwändige Maßnahmen konnten bei den Altbauobjekten 20 – 25% der Energiekosten gesenkt werden.

Forderungen an die Politik
Bauen im öffentlichen Raum bedingt eine besondere Verantwortung – ungeachtet dessen, ob es sich um einen öffentlichen, privatisierten oder privaten Bauträger/Investor handelt. Deshalb sollen vom Gesetzgeber, abhängig vom Investitionsvolumen sowie von der Sensibilität des Ortes (z.B. in historischen Ortszentren oder im Denkmalschutz auch bei kleineren Bauaufgaben), die Auslobung eines Wettbewerbs bzw. eines repräsentativen Gutachterverfahrens sowie eine professionelle Vorbereitung und Verfahrensorganisation verbindlich vorgeschrieben werden.

Weiters sollten Anreize für BauherrInnen geschaffen werden, um eine hohe und interdisziplinäre Planungsqualität (schon in der Frühphase eines Projektes) zu garantieren. Dabei sollten stets die Lebenszykluskosten den Errichtungskosten gegenübergestellt werden. Baukultur braucht neben engagierten ArchitektInnen und FachplanerInnen ebenso engagierte BauherrInnen mit Erfahrung, die über den gesamten Bauprozess hinweg als versierte AnsprechpartnerInnen den PlanerInnen gegenüberstehen.