Erhebung der baukulturrelevanten Kompetenzen und Dienststellen

Die Verantwortung für den Schutz des baulichen kulturellen Erbes ist auf Bund und Länder aufgeteilt. Nach der Verfassung ist der Denkmalschutz Bundessache, wobei das auf 1923 zurückgehende Denkmalschutzgesetz im Wesentlichen auf den Schutz von Einzeldenkmälern abstellt. Von der den Ländern vorbehaltenen Ortsbildkompetenz haben diese auf sehr unterschiedliche Weise Gebrauch gemacht. In manchen Ortsbild- bzw. Altstadterhaltungsgesetzen ist die Materie detailliert geregelt, in anderen ist das Ortsbild nur allgemein berücksichtigt, einige Bundesländer haben gänzlich auf die Erlassung einschlägiger Bestimmungen verzichtet. Die wichtige Aufgabe des Ortsbildschutzes wird somit sehr unterschiedlich wahrgenommen. Ebenso problematisch wie die Trennung von Denkmal- und Ortsbildschutz ist die Kompetenzteilung zwischen der Gemeindeautonomie für Bausachen und den Zuständigkeiten der Länder für die wichtigen Planungsinstrumente von Flächenwidmung und Raumordnung. Begreift man schließlich (wie dies in zahlreichen europäischen Ländern längst geschieht) das Miteinander von baulichen Strukturen und umgebender Kulturlandschaft, das „historic environment“, als den eigentlich schutzwürdigen Bestand, kämen hier noch die entsprechenden Natur- und Landschaftsschutzbestimmungen zum Tragen. Wie schwierig bei den derzeit aufgesplitterten Kompetenzen ein integrativer Schutz zu gestalten ist, wird bei den Bemühungen zur Bewahrung der kulturlandschaftlichen Weltkulturerbe-Stätten, wo ja eine entsprechende Erhaltungsverpflichtung des Bundes gegenüber der UNESCO vorliegt, deutlich. Die historischen Kulturlandschaften stellen eine wesentliche Ressource dar – nicht nur bezogen auf den Tourismus, sondern vor allem auch auf die Lebensqualität der Bevölkerung, für die in Generationen gewachsene und gestaltete Kulturlandschaften „Heimat“ bedeuten. Der Gesetzgeber wäre daher in erster Linie der Bevölkerung gegenüber verpflichtet, energische Schritte für einen gesamtheitlichen und nachhaltigen Schutz der historischen Kulturlandschaften Österreichs zu unternehmen.