Wie passiert die Beratung und Entscheidungsfindung der BürgermeisterInnen

Die Gemeinde als Bauherrin – Ansprüche, Problemstellungen, Herausforderungen

In nahezu allen Bereichen der Daseinsvorsorge – beginnend von der Kinderbetreuung bis hin zur Vorsorge für den Alters- und Pflegebereich – nehmen die Gemeinden eine herausragende Stellung und Verantwortung in unserer Gesellschaft ein. Eine Verantwortung, die unmittelbar mit der Errichtung und Erhaltung der baulichen und technischen Infrastruktur in diesen Bereichen verbunden ist. Die Anforderungen und Vorstellungen
der ortsansässigen Bevölkerung bei der Umsetzung kommunaler Bauvorhaben mit den wirtschaftlichen und technischen Möglichkeiten, aber auch den rechtlichen Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen, stellt sehr hohe Ansprüche an die VerantwortungsträgerInnen in der Gemeinde – unabhängig von deren Größe. Letztlich sind es die Gemeinden und ihr/e BürgermeisterInnen, die für die wesentlichen Eckpunkte bei der Abwicklung solcher Projekte – vor allem der Einhaltung der Bauzeit und der Baukosten, der Integration in das Ortsbild, aber auch der wirtschaftlichen Betriebsführung – die politische Verantwortung tragen müssen. Eine Verantwortung, die zusätzlich zur Führung der „tagesüblichen“ Gemeindegeschäfte übernommen wird und einen außergewöhnlichen persönlichen Einsatz erfordert.

Die Rahmenbedingungen für die Abwicklung von Bauvorhaben sind heute nicht immer einfach, im Gegenteil, sie werden immer schwieriger. Nicht nur, dass den sinkenden finanziellen Ressourcen in den Gemeinden immer höhere technische Standards und eine immer höhere Erwartungshaltung der künftigen NutzerInnen gegenübersteht; auch die Bereitschaft vieler BürgerInnen, Veränderungen im gewohnten Lebensraum zu akzeptieren, nimmt trotz aller vorbereitenden Öffentlichkeitsarbeit bei solchen Projekten spürbar ab.


Nicht jedes „Siegerprojekt“, das von der Fachwelt als solches ausgewählt wurde, wird von der Bevölkerung als solches empfunden, zumal die „verborgenen“ Qualitäten eines Projektes gerade in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht erst auf den dritten und vierten Blick erkennbar sind; und über Geschmack – gerade in der Architektur – lässt sich gut, lange und manchmal auch kostspielig streiten.

Trotz der zahlreichen Steine, die auf einem solchen Weg zur Seite geräumt werden müssen, stellen Österreichs Gemeinden Tag für Tag unter Beweis, dass ihnen qualitätvolles, innovatives Bauen ein wichtiges Anliegen ist, bei dem auch ungewöhnliche Wege nicht gescheut werden. Betriebswirtschaftliche und ökologische Gesichtspunkte spielen dabei eine immer größere Rolle, immerhin geht es auch um die Vorbildwirkung innerhalb und außerhalb der Gemeindegrenzen.

Fachliche Unterstützung und Erfahrungsaustausch sind unverzichtbar, um Wege für ein ressourcenoptimiertes und gleichzeitig qualitätvolles Bauen der öffentlichen Hand aufzuzeigen und unkompliziert kennenzulernen. Auf vielen regionalen und überregionalen Ebenen bestehen hier bereits Institutionen und Netzwerke, welche die Städte und
Gemeinden zumindest in Teilbereichen unterstützen bzw. einen „Know-how“-Transfer gewährleisten. Tatsache ist aber auch, dass die Gemeinden heute vor anderen, zusätzlichen Herausforderungen - bspw. im Bereich der Wahl der richtigen Unternehmensform bei Ausgliederungen oder des Vergaberechts – als noch vor 10 bis 15 Jahren stehen und hier zweifelsfrei auch ein offener Unterstützungsbedarf besteht.