Volkswirtschaftliche Bedeutung der baukulturellen Qualifizierung

Baukultur ist ein umfassender Begriff. Es geht dabei natürlich um Architektur und Ingenieurskunst. Darüber hinaus aber auch um die Auswirkungen des Bauens auf eine funktionierende Infrastruktur, lebenswertes Wohnen, den Einfluss auf die soziale Situation und das Image einer Region.
Bauwerke prägen öffentliche Räume und regen zu Kritik an. Bauen ist nicht Selbstzweck. Die Herausforderung besteht darin, nutzerorientiert die bauliche Infrastruktur ressourcen- und umweltschonend in dem Umfang und in der Qualität bereitzustellen, die notwendig ist, um eine funktionierende Volkswirtschaft und die optimale Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Die Palette reicht vom Wohn-, Industrie-, Infrastruktur-, Bürobau über kommunale Versorgungseinrichtungen, Freizeit-, Tourismus-, Sportstättenbau und vieles mehr.
Die Bauwirtschaft trägt kulturelle und wirtschaftliche Verantwortung für die Allgemeinheit, aber auch für die am Bau tätigen MitarbeiterInnen. Wer vor Ort am Bau beschäftigt ist, ist besonderen Belastungen ausgesetzt, bei Wind und Wetter, am Gerüst und unter Tag. Wo dies der Fall ist, sind gesetzliche Sonderregelungen im Arbeits- und Sozialrecht gerechtfertigt. Trotz der saisonalen Beschäftigungsschwankungen nimmt die Bauwirtschaft die öffentlichen Töpfe nicht mehr in Anspruch, als sie dazu beiträgt. Nichtsdestotrotz gilt es, weiter an den Modellen zur Verbesserung der Beschäftigungssituation am Bau zu arbeiten, ohne die Konkurrenzfähigkeit der Betriebe zu beeinträchtigen.


Ein ganz zentrales Augenmerk wird von den Bauverbänden auch der Förderung der Aus- und Weiterbildung – vom Führungspersonal bis zum Facharbeiter/zur Facharbeiterin – geschenkt. Dies insbesondere angesichts der bevorstehenden Öffnung der Arbeits- und Dienstleistungsmärkte gegenüber den neuen EU-Staaten.
Baukultur ist PlanerInnen- und BauherrInnenkultur. Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen für ein gerechtes und geordnetes Vergabewesen zu schaffen. Das gilt auch für die Vermeidung unnötiger Bürokratie hinsichtlich der Hintanhaltung der Verschleppung von Vergabe- und Genehmigungsverfahren sowie der Verbesserung der Voraussetzungen zur Mobilisierung privaten Kapitals für die Erfüllung staatlicher Bauaufgaben.
Es würde mich freuen, wenn der Baukulturreport dazu beiträgt, für diese Themen zu sensibilisieren und entsprechendes Bewusstsein schafft.